Das Angler Rind ist eine Rasse, die nach der Landschaft Angeln benannt wurde. Geschichtlich ist diese Rasse frühzeitig erwähnt. Der erste schriftliche Hinweis auf das Angler Rind stammt aus dem 16. Jahrhundert. 1879 begann die organisierte Rinderzucht in Angeln – der ”Allgemeine Angler Viehzuchtverein“ wurde ins Leben gerufen als erster Herdbuchzuchtverein für Rinder in Deutschland. Dieser Verein hatte den Zweck, die Zucht ohne Einkreuzung fremder Rassen zu fördern und durch Auswahl und Verwendung des besten Zuchtviehs die guten Eigenschaften zu erhalten und auszubilden.

Die Rasseeigenschaften sind seitdem festgelegt auf folgende Merkmale:
· rote Einfarbigkeit mit dunklem Hautpigment
· hohe Grundfutterleistung
· hohe Milchinhaltsstoffe
· ökonomisches Verhältnis von Gesamtfutteraufwand zum Milchertrag
· leichte Kalbungen und geringe Kälberverluste
· Langlebigkeit
· gute Marschfähigkeit, gesunde Beine und Klauen
· Leistungssicherheit und Anpassungsfähigkeit in allen Klimazonen

Um 1880 hatte die Angler Kuh ein Gewicht von 350 kg bei einem Wideristmaß von 120 cm, mit einer Leistung von 1.800 kg Milch bei 3,4 % Fett. Sie diente nicht nur zur Milch- und Fleischerzeugung, sondern wurde auch zur Feldarbeit angespannt. Seit der Festlegung der Reinzucht gelang es dem Zuchtverband durch intensive und ausgefeilte züchterische Maßnahmen die Leistungen der Rasse zu verbessern bei Beibehaltung der vorher genannten Grundeigenschaften.

1928 wurde erstmals das Zuchtziel in Zahlen formuliert: Eine Angler Kuh sollte bei einem Gewicht von 500 kg 4.000 kg Milch mit 4 % Fett bringen. Knapp 20 Jahre später hatten die Angler Herdbuchkühe als erste Rasse in Deutschland die 4 % Grenze überschritten. 1949 lautete das Zuchtziel: 4.000 kg Milch bei 5 % Fett und 6 Kälbern.

Durch den hohen Fettgehalt der Milch wurde das Angler Rind früher als die ”deutsche Butterkuh“ bezeichnet. Diese positive Eigenschaft beschleunigte die drastische Verringerung des Bestandes, als beim Milchpreis die Milchmengehöher bewertet wurde als die Milchinhaltsstoffe. Der Spruch der Milchviehhalter ”Dat Fett mokt de Pries“ verlor seine Gültigkeit.

Zwischen den Weltkriegen und nach dem zweiten Weltkrieg spielte die Ernährungssicherheit der Bevölkerung eine große Rolle, so dass u.a. versucht wurde das Gewicht der Kühe zu erhöhen, um die Muskelfleischmenge beim Schlachten zu steigern. Seit Ende der fünfziger Jahre wurde dies in erster Linie durch Anpaarung mit Bullen des Roten Dänischen Milchviehs (RDM) erreicht. Das RDM, ursprünglich eng verwandt mit den Anglern, war in eine andere Richtung gezüchtet worden – hin zu einer höheren Milchleistung und einem größeren Rahmen.

Eine entscheidende Veränderung in der Rinderzucht geschah mit dem zunehmenden Gebrauch der künstlichen Besamung nach 1945. Bullen konnten viel stärker selektiert werden und ihre Nachkommenzahl fast unbegrenzt erhöhen. Dadurch wurden Milchleistungssteigerungen, wie z.B. bei den Frisian-Holstein, in einer relativ kurzen Zeitspanne möglich, die die Zucht der Angler Rinder unter einen starken Druck setzte. Die Population der Tiere war zu gering um einen derartigen ”Zuchtfortschritt“ zu erreichen. So kam es zu einem massiven Einsatz von Bullen aus Schweden, Finnland und aus der Holstein-Frisian-Zucht, so dass man genotypisch, von keinem ganz reinen Angler Rind mehr sprechen kann.

Im Mai 2000 wurde in Angeln der Förderverein des Angler Rindes alter Zuchtrichtung gegründet, mit dem Ziel, bundesweit alle Kühe ausfindig zu machen, die mit mindestens 62,5% alter Blutführung zu den Anglern alter Zucht-richtung zählen, Spermavoräte für die Nachzucht weiterzugeben und Öffentlichkeitsarbeit zum Erhalt dieser Rasse auszuführen.

1937 gab es ca. 31.000 kontrollierte Angler Kühe, heute sind es etwa noch 340 Tiere bundesweit, die in oft kleinen Betrieben bzw. Beständen gehalten werden. Das Angler Rind alter Zuchtrichtung, wie es heute genannt wird, gehört mittlerweile zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, obwohl es gerade für den nachhaltigen und ökologischen Landbau herausragende Rasseeigenschaften besitzt.