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Das Projekt zur Erhaltung und Zucht des Angler Rindes alter Zuchtrichtung ist initiiert von Hof Luna und wird ausgeführt von der hofansässigen Mida Solena gGmbH – gemeinnützige Gesellschaft für Lebendige Landwirtschaft, Forschung und Kultur. Träger des Projektes ist der gemeinnützige Förderverein LandLeben e.V.
Seit 1987 werden auf Hof Luna Angler Rinder alter Zuchtrichtung gezüchtet. Die ersten Tiere kamen aus dem Harz wo es in dieser Zeit noch 20 Zuchtbetriebe mit den alten Anglern gab. Dies änderte sich in den darauffolgenden Jahren jedoch sehr schnell, so dass der Zuchtverband im Harz 2006 aufgelöst wurde und Hof Luna als einziger Betrieb mit der alten Zuchtrichtung weiterarbeiten wollte. Aus dieser plötzlich veränderten Situation stellte sich für Wilhelm Bertram die Frage, wieviele Tiere überhaupt bundesweit von dieser Rasse noch erhalten waren und ob eine Zuchtarbeit mit anderen Betrieben möglich sein könnte.

Projektbeschreibung
Anfang 2009 startete das Projekt ”Maßnahmen zur Erhaltung und Zucht des Angler Rindes alter Zuchtrichtung“. Zunächst haben wir die verschiedenen kursierenden Listen, der Halter und Züchter des Rindes, zusammengestellt und durch direkte Anschreiben aktualisiert. Die bundesweit verteilten Betriebe haben wir ab Juni 2009 besucht und den Bestand an alten Anglern, mit Foto, Abstammung, Milchleistung und Exterieur aufgenommen. Momentan liegen uns 42 Adressen von Haltern des Angler Rindes alter Zuchtrichtung vor, von denen 30 Betriebe mit Milchvieh und 12 mit Mutterkühen arbeiten.
Nach der Eingabe der Daten in Excel-Tabellen wurde bereits ein großer Teil der Blutanteile der Tiere durch Herrn Kähler (Förderverein Angler Rind alter Zuchtrichtung) und Herrn Tordsen (Rinderzucht Schleswig-Holstein) ermittelt. Als alte Zuchtrichtung gelten Tiere mit mindestens 62,5% altem Angler-Anteil und nicht mehr als 12,5% Red-Holstein-Blut.
Durch die Vernetzung der Betriebe über diese Homepage und durch jährliche Züchtertreffen soll zum Einen die kontinuierliche Zusammenarbeit der Züchter unterstützt und zum Anderen auch die Transparenz in den Zuchtdaten geschaffen werden, wie z.B. die Information zu den Blutanteilen der zur Verfügung stehenden Besamungsbullen.
Darüberhinaus möchten wir gern neue Kriterien für eine stimmige Zuchtwertschätzung im nachhaltigen Landbau erarbeiten. Hierbei ist auch die Berücksichtigung der Verwertung von Grundfutter in Milchleistung ein wesentlicher Ansatzpunkt, denn ohne diese Betrachtungsweise werden die alten, meist kleineren Rassen immer wieder bei wirtschaftlichen Berechnungen unten anstehen. Bei näherer Betrachtung entspricht dies jedoch nicht der Realität, denn die alten Angler Kühe benötigen für ihr geringes Gewicht weniger Erhaltungsfutter, geben eine gute Milchmenge mit einem hohen Anteil an Milchinhaltsstoffen, bei einer langen Lebensleistung und darüber hinaus fallen geringe Tierartzkosten an.
Durch die Vernetzung der Betriebe, die die alten Angler Rinder halten und züchten, soll das in den letzten Jahren dramatisch stattgefundene Absinken der Population, wieder eine positive Wende erfahren. Auch sollen neue Betriebe hinzu gewonnen werden, so dass über eine genmeinsame Zuchtarbeit die Qualitäten des Rindes erhalten und verbessert werden können.

Futter-Umsetzungskoeffizienten
Ein weiterer Schwerpunkt in unserem Projekt ist es, anhand des leicht zu errechnenden Futter-Umsetzungskoeffizienten die Tiere hinsichtlich ihrer Eignung für eine wirtschaftliche Haltung zu bewerten. Sowie Kühe mit besonders guter Umsetzung des Futters in Leistung zu ermitteln.
Zur Errechnung des Koeffizienten wird die Jahresleistung einer Kuh (Mkg x Fettgehalt + Mkg x Eiweißgehalt) addiert und durch das mittlere Lebendgewicht der Kuh geteilt. Das Gewicht ist durch Wiegen, Schätzen oder mit dem Hipometer (Meßzange für eine mittlere Gewichtsangabe) zu ermitteln. Mit diesem errechneten Futter-Umsetzungskoeffizienten kann man alle Kühe einer Herde hinsichtlich ihrer Leistung vergleichen. Berechnungsbeispiel:
Jahresleistung der Kuh: 5.500 Mkg bei 4,9% Fett und 3,4% Eiweiß
5.500 x 4,9% + 5.500 x 3,4% = 269,5 + 187 = 456,5
F+Ekg (Übertrag) 456,5 : Körpergewicht der Kuh 500kg = 91,3 Futter-Umsetzungskoeffizient

Um Tiere verschiedener Herden zu vergleichen, sind Angaben der Betriebe zur Fütterung nötig. Das sind neben Art und Menge der Grundfutterkomponenten, die Menge des gefütterten Kraftfutters. So ist es über die Feststellung des Futter-Umsetzungskoeffizienten hinaus auch möglich, bei dem Kauf von Zuchttieren, nach Betrieben Ausschau zu halten, die eine ähnliche Fütterung haben. Somit können die Haltung- und Fütterungsbedingungen sowie die daraus erbrachte Leistung berücksichtigt werden.
Der Futter-Umsetzungskoeffizient kann als Richtwert in eine Zuchtwertschätzung einfließen, die darüberhinaus die Lebensleistung der Kuh und der Linie, das Exterieur und die Gesundheit erfasst.